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Als ich zum ersten Mal das Auktionshaus Grisebach in der Fasanenstraße 25 in Berlin-Charlottenburg betrat, pochte mein Herz bis zum Hals. Der Raum war erfüllt von gedämpften Gesprächen, der Duft teurer Parfums mischte sich mit der Patina alter Ölgemälde. Ich hatte ein Chanel-Kostüm gewählt, meine Posture-Karte diskret in der Handtasche verstaut, und absolut keine Ahnung, wie ich mich verhalten sollte. Heute, nach über 20 besuchten Auktionen bei Christie's, Sotheby's und Villa Grisebach, teile ich meinen persönlichen Kunstauktionen Guide mit dir, damit du dir die peinlichen Anfängerfehler ersparen kannst, die ich damals machte.

Der deutsche Kunstmarkt verzeichnete laut dem Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler im Jahr 2023 ein Handelsvolumen von rund 1,8 Milliarden Euro. Davon entfielen etwa 420 Millionen Euro auf Auktionen, ein Segment, das zunehmend auch jüngere Sammlerinnen anzieht. Wenn du dich in dieser Welt souverän bewegen möchtest, brauchst du mehr als nur Interesse an Kunst.

Der richtige Dresscode fürs Auktionshaus: Was ich wirklich trage

Bei meiner ersten Auktion im Herbst 2021 erschien ich in einem knallroten Etuikleid. Falsch. Ich fiel auf wie ein Pfau unter Tauben. Der Dresscode bei etablierten Auktionshäusern folgt einer ungeschriebenen Regel: sophisticated understatement. Meine Go-to-Kombination für Abendauktionen bei Christie's in der King Street in London ist ein marineblaues MaxMara-Kostüm mit einer diskreten Blancpain-Uhr und Pumps von Manolo Blahnik mit 7 cm Absatz. Nicht höher, sonst wirkst du overdressed.

Für Vorbesichtigungen am Nachmittag wähle ich häufig einen Marlene-Hosen-Look von The Row kombiniert mit einer weißen Seidenbluse und einer kleinen Bottega Veneta Clutch. Die Faustregel: Dein Outfit sollte geschätzte 15-20 Prozent des durchschnittlichen Loswertes der Auktion widerspiegeln. Bei einer zeitgenössischen Kunstauktion mit Startpreisen ab 50.000 Euro ist ein 8.000-Euro-Ensemble angemessen. Darunter wirkst du wie eine Touristin, darüber wie jemand, der zu sehr versucht zu beeindrucken.

Verhaltensregeln im Auktionssaal: Die ungeschriebenen Gesetze

Das Wichtigste zuerst: Setze dich NIE in die ersten drei Reihen, wenn du nicht bieten möchtest. Ich beging diesen Fehler bei Sotheby's in der New Bond Street und wurde fälschlicherweise als Bieterin für ein Gerhard Richter Werk im Wert von 280.000 Pfund registriert, weil ich mir nervös durchs Haar strich. Der Auktionator interpretierte diese Geste als Gebot. Mir brach der Schweiß aus, bis ein erfahrener Sammler neben mir eingriff und die Situation klärte.

Wenn du tatsächlich bieten möchtest, registriere dich mindestens 48 Stunden vor der Auktion online oder persönlich beim Auktionshaus. Du erhältst dann eine Bieternummer, meist in Form eines nummerierten Paddels. Bei Villa Grisebach musste ich zusätzlich eine Kopie meines Personalausweises und eine Bankbestätigung vorlegen, da mein Bietlimit über 100.000 Euro lag. Diese Sicherheitsmaßnahmen sind seit 2020 branchenüblich, um Geldwäsche zu verhindern.

Richtig bieten ohne peinliche Patzer

Beim Bieten gilt: Klare, ruhige Gesten. Ich hebe mein Paddle etwa 30 cm hoch und halte Blickkontakt mit dem Auktionator. Niemals wild herumfuchteln. Das wirkt verzweifelt und treibt den Preis unnötig hoch, weil andere Bieter deine Nervosität als Schwäche interpretieren. Bei meinem erfolgreichsten Gebot, einem Werk von Neo Rauch bei Lempertz in Köln für 73.500 Euro, habe ich exakt dreimal geboten. Dreimal kurz das Paddle gehoben, beim dritten Mal mit einem minimalen Nicken bestätigt. Der Hammer fiel, ich hatte gewonnen.

Übrigens: Laut einer Statista-Erhebung von 2023 sind mittlerweile 42 Prozent der Kunstkäufer bei deutschen Auktionshäusern weiblich, Tendenz steigend. Die Zeiten, in denen Kunstauktionen eine reine Männerdomäne waren, sind vorbei.

Die Vorbesichtigung: Meine Strategie für echte Einblicke

Die Vorbesichtigung ist deine Chance, die Werke physisch zu erleben. Ich plane dafür immer mindestens 90 Minuten ein. Bei meinem letzten Besuch im Neumeister Auktionshaus in München nahm ich ein kleines Notizbuch mit und fotografierte diskret die Werke, die mich interessierten. Diskret bedeutet: ohne Blitz, ohne andere Besucher zu stören, und nur nachdem ich einen Mitarbeiter um Erlaubnis gebat.

Hier mein Ablauf: Ich beginne immer mit den Werken, die mich emotional ansprechen, nicht mit den teuersten. Bei einem Franz Marc Aquarell stand ich volle zehn Minuten davor, betrachtete die Pinselführung, die Farbübergänge, die Rahmung. Erst danach schaue ich ins Katalogblatt: Provenienz, Ausstellungsgeschichte, Schätzpreis. Die Reihenfolge ist wichtig, weil sie verhindert, dass der Preis deine emotionale Reaktion beeinflusst.

Mit Experten ins Gespräch kommen

Die Spezialisten vor Ort sind Goldgruben an Informationen. Bei Ketterer Kunst in Hamburg sprach ich 25 Minuten mit einer Expertin für deutsche Nachkriegskunst über die Authentizität eines vermeintlichen Baselitz. Sie zeigte mir Details im Duktus, die nur ein geschultes Auge erkennt. Solche Gespräche sind unbezahlbar, aber du musst den richtigen Ton treffen: interessiert, aber nicht aufdringlich. Meine Frage lautete: "Können Sie mir helfen, die Besonderheiten dieses Werks im Kontext der Schaffensperiode zu verstehen?" Nicht: "Ist das echt?"

Ähnlich wie bei eleganten Auftritten als Begleiterin geht es auch hier darum, Interesse zu zeigen ohne Bedürftigkeit auszustrahlen.

Finanzierung und Budget: Was Kunstsammeln wirklich kostet

Setze dir ein absolutes Limit, bevor du den Saal betrittst. Meine Faustregel: Mein maximales Gebot liegt bei 80 Prozent meines verfügbaren Budgets. Die restlichen 20 Prozent sind Reserve für das Aufgeld, das je nach Auktionshaus zwischen 25 und 28 Prozent des Hammerpreises liegt. Bei einem Hammerpreis von 50.000 Euro zahlst du also real etwa 63.500 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Hinzu kommen oft Transport- und Versicherungskosten. Mein Neo Rauch von Lempertz musste klimatisiert von Köln nach Frankfurt transportiert werden: 1.200 Euro. Die Versicherung für die ersten zwölf Monate: weitere 800 Euro. Diese Nebenkosten werden oft unterschätzt, machen aber schnell 3-5 Prozent des Kaufpreises aus.

Online-Auktionen: Meine Erfahrungen mit digitalen Plattformen

Kunstauktionen meistern: Mein Guide für elegantes Auftreten

Seit 2022 biete ich auch regelmäßig online, vor allem bei Auktionen der Kategorie "Moderne und Zeitgenössische Kunst" auf der Plattform Artsy und über die hauseigenen Systeme von Christie's und Sotheby's. Der Vorteil: Du kannst von überall bieten, bist zeitlich flexibler und erlebst weniger Druck durch die physische Präsenz anderer Bieter. Der Nachteil: Du siehst das Werk nicht im Original.

Mein hybrider Ansatz: Ich besuche die Vorbesichtigung physisch, biete dann aber online während der Live-Auktion. So habe ich die Werke gesehen, spare mir aber die nervöse Atmosphäre im Saal. Bei meinem letzten Online-Gebot über die Sotheby's App für ein Werk von Anselm Kiefer (Schätzwert 45.000-65.000 Euro) setzte ich ein Maximalgebot von 58.000 Euro und ließ das System automatisch für mich bieten. Ich gewann bei 52.000 Euro Hammerpreis, das System hatte in 2.000-Euro-Schritten für mich mitgeboten, ohne dass ich manuell eingreifen musste.

Networking bei Vernissagen und Preview-Events

Die eigentliche Auktion ist nur ein Teil des Kunstmarkts. Mindestens genauso wichtig sind die Preview-Cocktails und Vernissagen, die meist zwei bis drei Tage vor der Hauptauktion stattfinden. Hier triffst du Sammler, Galeristen, Berater und andere Kunstinteressierte. Meine besten Kontakte entstanden bei einem Preview-Dinner im Restaurant Pots in Berlin-Tiergarten vor einer Grisebach-Auktion im März 2023.

Mein Networking-Tipp: Stelle offene Fragen zu den Werken, nicht zu Preisen oder Investitionspotenzial. "Was fasziniert Sie an dieser Künstlerin?" öffnet Türen. "Glauben Sie, das Werk steigt im Wert?" schließt sie. Die richtigen Networking-Strategien sind hier genauso entscheidend wie in jedem anderen anspruchsvollen sozialen Umfeld.

Die richtige Balance zwischen Interesse und Zurückhaltung

Kunstsammler schätzen Authentizität. Bei einem Gespräch mit einem etablierten Sammler bei Van Ham in Köln gestand ich offen, dass ich erst seit drei Jahren sammle und noch viel lerne. Seine Reaktion: Er lud mich zu einer privaten Viewing in seiner Sammlung ein. Diese Offenheit, gepaart mit echtem Interesse, öffnet Türen, die Wichtigtuerei verschließt.

Fallstricke und wie ich sie vermeide

Mein größter Fehler: Bei einer Auktion im Dorotheum Wien im November 2022 lies ich mich in einen Bieterwettstreit hineinziehen. Mein Limit waren 35.000 Euro für ein Egon Schiele Aquarell, ich endete bei 47.000 Euro plus Aufgeld. Emotional gewonnen, rational verloren. Das Werk war es objektiv nicht wert, ich zahlte einen "Auktionsfieber-Aufschlag" von geschätzten 8.000 Euro.

Seitdem halte ich mich an folgende Regel: Wenn mein Limit erreicht ist, stehe ich auf und verlasse den Saal für fünf Minuten. Diese physische Distanz hat mir bereits mehrmals geholfen, kühlen Kopf zu bewahren. Bei einer Auktion bei Neumeister München im April 2024 stand ich tatsächlich auf, als mein Limit von 28.000 Euro erreicht war. Das Werk ging für 34.000 Euro an jemand anderen. Zwei Monate später tauchte ein vergleichbares Werk bei einer kleineren Auktion in Stuttgart auf, ich bekam es für 24.500 Euro.

Insider-Wissen: Was die Profis dir nicht erzählen

Die besten Deals machst du oft bei kleineren, regionalen Auktionshäusern wie Hugo Ruef in München oder Reiss & Sohn in Königswinter. Dort ist die Konkurrenz geringer, die Schätzpreise konservativer. Bei Reiss & Sohn ersteigerte ich im Januar 2024 ein Werk von HAP Grieshaber für 12.000 Euro, das bei einer der großen Häuser vermutlich 18.000-22.000 Euro gekostet hätte.

Ein weiterer Insidertrick: Die letzten Lose einer Auktion, meist ab Los-Nummer 180 aufwärts bei einer 200-Lose-Auktion, erzielen oft niedrigere Preise, weil viele Bieter bereits gegangen sind. Meine Strategie: Ich konzentriere mich gezielt auf die Schlusslots, wenn das Werk meine Kriterien erfüllt.

Langfristige Perspektive: Sammeln statt spekulieren

Kunstauktionen meistern: Mein Guide für elegantes Auftreten

Der Kunstmarkt ist keine Börse. Ich kaufe Werke, mit denen ich leben möchte, nicht primär als Investment. Laut dem Art Market Report der Art Cologne 2023 erzielen nur etwa 30 Prozent aller auf Auktionen erworbenen Werke bei Wiederverkauf einen Gewinn. Die restlichen 70 Prozent stagnieren oder verlieren an Wert.

Meine Sammlung hat einen geschätzten Wert von etwa 380.000 Euro, aufgebaut über vier Jahre. Aber der emotionale Wert ist unbezahlbar. Jedes Werk erzählt eine Geschichte: wo ich war, mit wem ich dort war, was ich in dieser Lebensphase fühlte. Das ist der wahre Luxus des Sammelns.

Checkliste für deine erste Auktion

  • Registriere dich mindestens 48 Stunden vor der Auktion mit Ausweis und Bankbestätigung beim Auktionshaus
  • Besuche die Vorbesichtigung persönlich, plane dafür mindestens 90 Minuten ein
  • Setze ein absolutes Ausgabenlimit bei 80 Prozent deines verfügbaren Budgets, rechne 25-28 Prozent Aufgeld ein
  • Wähle einen eleganten, zurückhaltenden Dresscode im Wert von etwa 15-20 Prozent des durchschnittlichen Loswertes
  • Vermeide die ersten drei Reihen, wenn du nicht bieten möchtest, um Missverständnisse zu verhindern
  • Notiere dir vorab maximal drei Werke, auf die du bieten möchtest, und halte dich strikt daran
  • Bringe eine kleine Clutch mit Notizbuch, Katalog und Bieternummer mit

Häufig gestellte Fragen zu Kunstauktionen

Was ziehe ich zur Kunstauktion an als Frau?

Für Abendauktionen bei etablierten Häusern wie Christie's oder Sotheby's empfehle ich ein dunkles Kostüm oder ein elegantes Etuikleid in Navy, Schwarz oder Grau, kombiniert mit Pumps von 5-7 cm Absatzhöhe. Verzichte auf auffälligen Schmuck, eine hochwertige Uhr und dezente Ohrstecker genügen. Für Nachmittagsauktionen oder Vorbesichtigungen sind eine gut geschnittene Hose mit Bluse oder ein schlichtes Kleid passend. Dein Outfit sollte etwa 15-20 Prozent des durchschnittlichen Loswertes widerspiegeln.

Wie verhalte ich mich bei Kunstauktionen richtig als Anfängerin?

Komme mindestens 20 Minuten vor Beginn, um dich in Ruhe zu orientieren. Setze dich ab der vierten Reihe, halte dein Paddle ruhig auf dem Schoß und vermeide große Gesten, wenn du nicht bieten möchtest. Schalte dein Handy stumm, führe keine lauten Gespräche und verlasse den Saal nur zwischen den Losen, niemals während ein Werk versteigert wird. Wenn du bieten möchtest, hebe dein Paddle ruhig etwa 30 cm hoch und halte Blickkontakt zum Auktionator.

Wie viel Budget brauche ich für meine erste Kunstauktion realistisch?

Für Einsteiger empfehle ich ein Gesamtbudget von mindestens 5.000-8.000 Euro. Davon solltest du maximal 80 Prozent für das Gebot einplanen, also 4.000-6.400 Euro. Die restlichen 20 Prozent benötigst du für das Aufgeld von 25-28 Prozent des Hammerpreises plus Mehrwertsteuer. Hinzu kommen Transport und Versicherung mit etwa 3-5 Prozent. Bei einem Hammerpreis von 5.000 Euro zahlst du real etwa 6.500 Euro inklusive aller Nebenkosten.

Kann ich bei Auktionen auch online mitbieten ohne physisch anwesend zu sein?

Ja, alle großen Auktionshäuser bieten mittlerweile Online-Bietmöglichkeiten über ihre Websites oder Apps an. Du musst dich vorab registrieren und kannst dann während der Live-Auktion in Echtzeit mitbieten. Ich empfehle jedoch, die Werke vorher bei der Vorbesichtigung persönlich zu besichtigen, da Fotos im Katalog oft nicht die tatsächliche Qualität, Textur und Farbgebung wiedergeben. Mein hybrider Ansatz: Vorbesichtigung vor Ort, Bieten online.

Wann ist der beste Zeitpunkt für Einsteiger um bei Auktionen zu kaufen?

Die besten Gelegenheiten für Einsteiger sind regionale Auktionshäuser außerhalb der Hauptsaison (Juli/August und Dezember/Januar) sowie die Schlusslots bei größeren Auktionen, wenn viele Bieter bereits gegangen sind. Meide die großen Frühjahrs- und Herbstauktionen bei Christie's oder Sotheby's, dort ist die Konkurrenz am größten. Bei kleineren Häusern wie Reiss & Sohn oder Hugo Ruef findest du oft vergleichbare Qualität zu 30-40 Prozent niedrigeren Preisen.

Mein persönliches Fazit nach vier Jahren Kunstauktionen

Kunstauktionen zu meistern bedeutet nicht, die teuersten Werke zu ersteigern oder in den ersten Reihen zu sitzen. Es bedeutet, mit Respekt, Neugier und einem klaren Plan an die Sache heranzugehen. Meine wertvollste Lektion: Bleibe dir selbst treu. Kaufe nur, was du wirklich liebst, nicht was gerade im Trend liegt oder eine vermeintlich sichere Anlage ist. Grenzen setzen und Selbstrespekt bewahren gilt auch im Auktionssaal.

Die Kunstwelt öffnet sich zunehmend für eine neue Generation von Sammlerinnen, die selbstbewusst, informiert und finanziell unabhängig agieren. Mit diesem Kunstauktionen Guide und etwas Übung wirst auch du dich bald souverän in dieser faszinierenden Welt bewegen. Der erste Hammerschlag für dein erstes Werk wird ein Moment sein, den du nie vergisst, versprochen.